LBV sorgt sich um Rotkehlchen und Co.

 

Bei der geplanten Nachverdichtung in der Hans- Geiger- Straße wird das hohe Artenvorkommen nicht berücksichtigt. Artenschutzrechtliches Gutachten fehlt.

 

Grundsätzlich ist eine Nachverdichtung im Siedlungsraum zu begrüßen. Die Hans- Geiger- Straße in Erlangen ist aber ein Sonderfall, weil das Gebiet hinsichtlich seiner Bedeutung für den Natur- und Artenschutz ein sehr wertvolles Siedlungsgebiet ist.

 

Dort befindet sich ein sehr hohes Vorkommen an Rotkehlchen, Feldsperling, Mauersegler, Fledermäusen und verschiedenen Spechtarten. Sogar der Mittelspecht kommt dort vor – eine sehr seltene Art, die unter strengem Schutz steht.

 

„Aber nicht nur Tiere werden durch die Maßnahme in Mitleidenschaft gezogen, auch der Baumbestand ist hervorzuheben: in diesem Gebiet stehen heute 1350 einzelne Bäume, was eine beachtliche Summe in einem Siedlungsgebiet darstellt“, so Christoph Daniel, 1. Vorsitzender des LBV Erlangen. Durch die geplante Nachverdichtung wer-den viele hunderte Bäume gefällt, darunter auch rund 200 Höhlenbäume, die gerade für Fledermäuse und Spechte einen wichtigen Lebensraum darstellen.

 

Hier fordert der LBV eine genaue Prüfung der Bäume und eine Nachpflanzung mit großkronigen Bäumen, die ein hohes Alter und einen großen Stammumfang erreichen. Dies ist notwendig, um die ökologische Funktion der derzeit bestehenden Baumflora übernehmen zu können.

 

Leider liegt bis heute kein artenschutzrechtliches Gutachten vor. Damit fehlen wichtige Informationen für die Bevölkerung und auch für die Naturschutzverbände, die ihre Einwände in dieses Verfahren einbringen können.

 

Des Weiteren fordert der LBV etwas für den Schutz der gebäudebrütenden Arten, wie z.B. für Mauersegler, Haussperling und Fledermäuse zu tun. Zum Erhalt dieser Populationen sind sowohl an den schon bestehenden als auch an den neuen Gebäuden zahlreiche Nisthilfen anzubringen oder bestehende Einfluglöcher zu sichern. Um einen entsprechenden Ausgleich zu schaffen, sind mindestens doppelt bis dreifach so viele Nisthilfen wie kartierte Brutpaare anzubieten. Erfahrungsgemäß werden künstliche Brutmöglichkeiten nicht so gut angenommen wie natürliche.

 

Der LBV hat seine Einwände dem Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung zukommen lassen und hofft nun, dass möglichst viel davon umgesetzt wird – im Sinne von Mensch und Natur.


Stellungnahme zum Bebauungsplan 345 der Stadt Erlangen

 

Der LBV begrüßt grundsätzlich eine Nachverdichtung im Siedlungsraum, allerdings gibt es Anregungen sowie Einwendungen, um deren Berücksichtigung wir bitten:

 

Das vorliegende Gebiet ist hinsichtlich seiner Bedeutung für den Natur- und Artenschutz ein sehr wertvolles Siedlungsgebiet, mit hohem Vorkommen an Rotkehlchen, Feldsperling, Mauersegler, Fledermäusen und verschiedenen Spechtarten, wie sogar dem Mittelspecht. Es wurden insgesamt w 34 Arten festgestellt, viele davon streng sind geschützt oder stehen auf der Roten Liste. Ebenso ist die Artenvielfalt von Farn- und Blütenpflanzen mit 241 Arten außergewöhnlich hoch. Auf dem Gebiet stehen heute 1350 einzelne Bäume, was eine beachtliche Summe in einem Siedlungsgebiet darstellt.

 

Leider liegt uns bis heute kein Artenschutzrechtliches Gutachten vor. Dies ist jedoch zwingend erforderlich, um eine Beteiligung im notwendigen Maße durchführen zu können. Wir bitten dies daher umgehend nachzuliefern.

 

Durch die geplante Nachverdichtung werden viele hunderte Bäume gefällt, darunter auch rund 200 Höhlenbäume. Eine genaue Zahl liegt aufgrund der eingeschränkten Unterlagen, die uns zur Verfügung gestellt wurden, nicht vor. Ein Ausgleich soll durch Nachpflanzungen im Gebiet und Versetzen der Spechtbäume geschaffen werden.

 

Zahlreiche Bäume werden auf den neu angelegten Tiefgaragen gepflanzt. Damit Bäume ein Wurzelwerk entwickeln, ist dazu ein Bodenbelag über der Tiefgarage in Höhe von mindestens 1,20 m notwendig. Im Scopingtermin war zu erfahren, dass derzeit nur 60 cm Erdreich über den Garagen geplant sind. Wir fordern dringend eine Planänderung und Erhöhung dieser Auflage auf die notwendigen 1,20m. Trotz einer solchen Erdauflage können sich auf den Tiefgaragen nicht großkronige Bäume entwickeln, die ein hohes Alter und einen großen Stammumfang erreichen. Dies ist allerdings notwendig, um die ökologische Funktion der derzeit bestehenden Baumflora übernehmen zu können. Wir fordern daher weitere Baumpflanzungen auch außerhalb des Planungsgebietes ggf. in angrenzenden Gebieten innerhalb der Stadt Erlangen.

 

Unserer Kenntnis nach wurden bereits jetzt Bäume gefällt, unter anderem der Baum, in dem sich die Bruthöhle des Mittelspechtes befand. Es ist sicherzustellen, dass auch diese Bäume in die Betrachtung des Ausgleiches mit einbezogen werden.

 

In der Mitte des Gebietes findet sich eine Gruppe von 16 großen Buchen, die in dieser Art einmalig für das Stadtgebiet ist. An dieser Stelle ist ein neu errichtetes Punkthaus geplant. Wir bitten zu prüfen, ob auf dem Bau dieses Hauses verzichtet werden kann, da damit unwiderruflich die Buchengruppe verschwinden würde und ein realer Ausgleich nicht möglich ist.

 

Da bisher noch keine ausreichenden Erfahrungen mit der Wirksamkeit des Versetzens von Spechtbäumen existiert - vom ausführenden Büro wurde diese Maßnahme erst einmal in München im Vorjahr durchgeführt, weitere derartige Maßnahmen sind dem LBV nicht bekannt - fordern wir weitere Bäume zu schützen und zu erhalten. Insbesondere während der Baumaßnahme muss vermehrt für einen Schutz der gesamten Baumscheibe, also auch des Wurzelbereichs im Kronenradius gesorgt werden, damit die Bäume nicht durch eine Bodenverdichtung durch Baufahrzeuge geschädigt werden. Hier ist nach fachlich guter Praxis vorzugehen, siehe FGSV-Regelwerk FGSV 293/4 RAS-LP 4.

 

Auf dem Planungsgelände befindet sich ein als Wald kartiertes Gelände, das daher nur entsprechend der Bannwaldverordnung und nicht nach der Baumschutzverordnung ausgeglichen werden muss. Auch wenn dafür die Bäume, weil sie nicht der Baumschutzverordnung unterliegen, nicht eins zu eins im Gelände nachgepflanzt werden müssen, sondern der Ausgleich in Form einer Neuanlage eines flächenmäßig gleich großen Waldes gemäß der Bannwaldverordnung geschaffen werden muss, ist dieses Gelände dennoch gesondert auch artenschutzrechtlich zu betrachten. Da es sich um einen "Eichenwald trockener Standorte, alter Ausprägung" dem §30 BNatSchG handelt, müssen dort u. a. vorkommende Brutmöglichkeiten ebenso im oder in der Nähe des Planungsgebietes ausgeglichen werden. Eine Möglichkeit, diesen Eingriff in dieses Wäldchen verträglicher zu machen, wäre eine Verschiebung des dort geplanten Punkthauses in Richtung Westen, so dass der Wald zumindest teilweise erhalten werden kann.

 

Die Trassenführung entlang der Nürnberger Straße für die StUB wurde bei dem vorliegenden Bebauungsplan nicht beachtet, da sie außerhalb des Bebauungsgebietes liegt. Da diese aber unmittelbar angrenzend ist, und womöglich die an der Nürnberger Straße befindliche Allee aus alten Eichen beeinträchtigen könnte, ist sie zwingend einzubeziehen, um die Beeinträchtigungen der lokalen Populationen beurteilen zu können. Zum Beispiel ist das Auftreten des Mittelspechtes im Planungsgebiet in direktem Zusammenhang mit der Existenz dieser Alteichenallee zu betrachten. Eventuell ist dadurch eine Versetzung der Punkthäuser, die entlang der Nürnberger Straße geplant sind, in Richtung Westen notwendig.

 

Auf dem Gelände wurden §30 Biotope kartiert (i.d.R. Sandmagerrasen), die teilweise dem Bau von Häusern und Tiefgaragen weichen sollen. Nach Auskunft des Planungsbüros werden diese komplett auf dem Gelände innerhalb des zu betrachtenden Bebauungsplans ausgeglichen. Es ist dafür zu sorgen, dass diese Magerrasen auch dauerhaft erhalten werden können, trotz deutlich wachsender Bevölkerungsdichte in dem Gebiet, mit dem auch eine höhere Nutzung und Hundehaltung einhergeht. Ebenso müssen Gartenbaufirmen und Hausmeister, die dort in Zukunft tätig sein werden, eine Schulung hinsichtlich der Bedeutung und Behandlung von Sandlebensräumen bekommen, um das Gebiet mit der erforderlichen Sorgfalt pflegen zu können.

 

Auf dem Gelände leben zahlreiche gebäudebrütende und -bewohnende Arten wie Mauersegler, Haussperling und Fledermäuse. Zum Erhalt dieser Populationen sind an den bestehenden und neu gebauten Gebäuden zahlreiche Nisthilfen anzubringen oder bestehende Einfluglöcher zu sichern. Um einen entsprechenden Ausgleich zu schaffen, sind mindestens doppelt bis drei Mal so viele Nisthilfen, wie kartierte Brutpaare anzubieten, da Nisthilfen erfahrungsgemäß nicht so gut wie bestehende Brutmöglichkeiten angenommen werden. Bei Dachsanierungen ist entsprechend achtsam umzugehen, da insbesondere der Haussperling im Gebiet unter Dachziegelvorsprüngen nistet. Entsprechender Ersatzbrutraum ist anzubieten.

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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